Dienstag, 24. September 2013

Ehrlich und direkt - und doch zu kurze Beine

Ich bin 1,61m. Groß genug, um an die Teller meines obersten Regales zu kommen, aber zu klein um in Deutschland als groß zu gelten. Ich war nie die Größte, in meiner Familie die Jüngste. Dafür konnte ich mir trotzdem gut Gehör verschaffen. Wenn man nicht untergehen will, muss man eben lauter sein. Aber ich mag meine Größe, selbst wenn dadurch mancher Witz auf meine Kosten geht. So wie ich etwa einmal einem Freund auf den Arm gehauen habe und er daraufhin sagte: "Aua! Mein Knie." 

Dann bin ich eben ein Fersenbeißer. Wäre ich ein Hund, ich wäre ein Mops - außer, dass ich nicht schnarche. Ich wäre der Mops neben dem Bernhardiner. Immer muss ich schneller trippeln, als die großen Menschen neben mir. Und wenn die dann auch noch zügig sind, wie die Windhunde, dann hängt auch meine Zunge am Boden. So wie eine Freundin (etwa 1,80 m) einst mit mir einen dunklen Pfad bewanderte. Es war nachts, der Weg relativ unbeleuchtet und in Panik wurde sie immer schneller. Sie merkte nicht, dass unser Gespräch immer einseitiger wurde, ich brauchte die Luft zum Atmen. Erst als das Licht am Ende des Weges zu sehen war und ich keuchend fragte, ob wir dann gleich wieder etwas langsamer gehen könnten, wurde ihr das Tempo bewusst. Ich, das kleine trippelnde Pony, sie das große trabende Pferd. 

Um an ein Ziel zu kommen, muss ich mehr Schritte gehen. Ich muss mich ein wenig mehr anstrengen, die mit den langen Beinen sind mir voraus. Dafür kann ich mich besser durch Hindernisse durchquetschen, vordrängeln und die Lücken finden - ich pass da durch. Ich komm auch an mein Ziel, nicht mit großen Schritten, aber mit Geschick. Und dabei bleib ich mir treu, ich brauche keine Stelzen. Darauf kann ich nicht laufen und ich würde stürzen. Meine kurzen Beine passen mir ganz gut, damit lässt es sich sehr schön leben.

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