Mittwoch, 21. August 2013

Immer der Nase nach

Ich stehe in einer vollen Bahn. Eine Geruchswelle dringt in meine Nase. Schweiß, Deo, Essen, Füße - einer fällt mir besonders auf. Er ist ölig, schwer und erinnert mich an Clownsschminke. Ich muss an meine ehemalige Tutorin denken. So hat ihr Make-Up auch immer gerochen - nach Clown. Ich habe mich immer gefragt, ob sie das nicht stört, dass sie so riecht. Aber wahrscheinlich assoziiert sie nicht dasselbe mit diesem Geruch wie ich.

Ist schon interessant, was Gerüche mit einem anstellen. Manche sind wahre Erinnerungsspeicher, die meist unerwartet kommen, dafür dann aber sehr intensiv. Rieche ich etwa blumiges Sprühdeo, gemischt mit dem leicht feuchten Geruch von frischem Schweiß, dann steh ich wieder in einer schwitzenden Menge vorpubertären Teenies auf einem Backstreet Boys Konzert. Bei Sonnencreme, gemischt mit Meersalz, bin ich in Barcelona, auf dem Rückweg vom Strand zu meinem Hostel. Glasreiniger und Kerosin - da kommt mir das Würgen. Das heißt für mich Flugzeug und da muss ich meist vomieren. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Reisen, auch sehr weit. Wenn nur nicht dieses gefliege wäre.

Gerüche können aber auch Gefühle auslösen. Rieche ich frisch gemähten Rasen, meine Wäsche auf dem Wäscheständer, die neuen Laken auf meinem Bett - dann macht mich das ein wenig glücklich. Komme ich von einer Reise zurück nach Hamburg und rieche die Elbe, bin ich zu Hause. Einige Gerüche nehmen wir ständig wahr, aber sie fallen uns erst auf, wenn man sie länger nicht gerochen hat. Seine eigene Wohnung, das Elternhaus, die Kinder meiner Schwester. Menschen im Allgemeinen riechen besonders - manche mehr, manche weniger, manche nur, wenn sie sich dick mit Parfüm einsprühen. Und dann manchmal rieche ich ihn, wenn er neben mir steht, wenn der Wind sich dreht oder er sich bewegt und meine Nase einen Fetzen seines Körperduftes erhascht. Eine Kette von Bildern blitzt in meinem Kopf auf, meine Fantasie dreht durch. Mir sind bisher nur drei Männer begegnet, deren Geruch so stark auf mich gewirkt hat. Ich kann dem kaum entkommen. Diesem Geruch nicht zu folgen, ist fast unmöglich. Und so vernebeln uns manche Düfte den Verstand.  

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