Mittwoch, 16. Oktober 2013

politisch Korrekt

Zigeuner Soße - FALSCH. Negerkuss - FALSCHFALSCH. Du Mongo - Uuuuh, böse! Es gibt viele Begriffe in der deutschen Sprache, die Minderheiten in unserer Gesellschaft bezeichnen. Spagettifresser, Polake, Hartzer, Fischkopp... Okay, einige dieser Begriffe sind einfach geschaffen worden, um offensichtlich zu beleidigen. Manche sind einfach alt und meist ohne bösen Willen entstanden. Früher hat man eben Zigeuner gesagt, oder auch Neger. Dann wurde die rumänische Soße eben salopp Zigeuner-Soße genannt und der Schokokuss, na der war schwarz - sieht doch aus wie ein Neger. Früher hat man nicht darüber nachgedacht, dass solche Begrifflichkeiten irgendwen verletzen könnten. Sollte doch nur neckisch sein.

Ich selber empfinde diese Begriffe nicht als verletzend. Wenn ich das Wort "Negerkuss" höre, denke ich an früher, an meine beste Freundin, die minutenlang ihren Schaumkuss suchte, sich drehte und wendete, während ich vor Lachen fast vom Sofa fiel, klebte besagter Schaumkuss nämlich mitten auf ihrem Rücken. Erst als ich eben diese Geschichte der afrikanischen Mitbewohnerin eines Freundes erzählte und diese bei dem Wort "Negerkuss" stutze, wurde mir bewusst - uups, stimmt, dass klingt etwas rassistisch. Auch wenn ich einen Begriff nicht schlimm finde, weil dieser mich nicht betrifft, kann er für andere wie kratzende Nägel auf einer Tafel sein. Gut, dann verwende ich eben das Wort „Schaumkuss“, oder „Roma-Schnitzel“. Ist ja nur ein Wort, solange diese Lebensmittel noch genauso gut schmecken.

Manchmal aber, da finde ich übertreiben einige mit ihrer politischen Korrektheit. Frauen zum Beispiel. Versteht mich nicht falsch, ich bin eine Feministin, ich bin stolz eine Frau zu sein, ich bin für Frauen in Führungspositionen, ich bin für die Gleichberechtigung und ich kann es nicht leiden, wenn Männer auf mich herablächeln, einfach weil ich eine Frau bin und meine Aussagen für sie weniger wert sind. Aber warum bestehen einige so extrem auf diese Zusätze wie das „/innen“, oder dem „frau sagt…“? Besonders letzteres finde ich albern. Wozu brauch ich als Frau eine Extrawurst? Zeigen nicht gerade diese Unterscheidungen, den Unterschied zwischen Mann und Frau?
 
Es ist doch irgendwie paradox, dass man sich mit Männern gleichstellen will, indem man zwanghaft überall ein „/innen“ anfügt, damit man in jedem Fall merkt, dass ich ein anderes Geschlecht habe. Bin ich jetzt weniger Frau, wenn ich mich mal als Journalist und nicht als Journalistin bezeichne? Frauen und Männer sind unterschiedlich, das ist so und wird auch immer so sein. Gleichberechtigung ist eine Sache von Respekt und den bekommt man nicht, wenn man ein "/innen" hinten anfügt.

Kommentare:

  1. Ich finde dich einfach großartig! Du schreibst jedes Mal meine Gedanken in deine Texte :)
    Saso

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  2. Danke sehr ;) Aber dann sind wir ja schon mal zwei, mit den selben Gedanken.

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  3. Toller Beitrag! :)
    Liebe Grüße ♥

    www.lifestylection.blogspot.de

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  4. Nur so: Die sogenannte "Zigeunersauce" ist keine rumänische Sauce. Zigeuner sind auch keine Rumänen, sondern gehören einer völlig anderen Ethnie an. Und in Rumänien isst auch keiner Zigeunersauce. ;-)

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  5. "Zehn kleine Farbige mit Migrationshintergrund" und soll man/frau nun die Werke von Hemingway umschreiben, weil das ein paar heute nicht mehr politisch korrekte Wörter drinstehen. Und wer könnte es besser ? Mann oder Frau?
    Wenn wir schon bei der politischen Korrektheit und Gleichbehandlung sind, wie sieht die Endung für Transsexuelle aus?
    Macht Übertreibung die Welt wirklich besser oder ist doch ab und zu schweigen und die Dinge auf sich beruhen zu lassen geschickter. Müssen wir vorpreschen mit Unsinnigkeiten, die ohnehin niemandem wirklich helfen außer all denen die Geld mit der Umsetzung der geforderten Änderungen verdienen und wäre es nicht besser das Geld anderweitig zu investieren. In Bildung und Forschung zum Beispiel, die wirklich wichtige Themen, wie eine Heilung von AIDS, löst.
    Geben wir der Diskussion neue Nahrung, wenn wir uns über Schwachsinnigkeiten aufregen oder ersticken wir sie im Keim, wenn wir schweigen und zu Problemen lächeln.



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