Mittwoch, 5. Juni 2013

Abgestürzt


Ich komme aus der Dusche, nehme mir ein kleines Handtuch und wickle es mit meinen nassen Haaren zu einem Turban. Weil ich frische Luft schnappen will, gehe ich zu meinem Balkon. Ich habe einen Balkon? Wo habe ich eigentlich gestern geparkt? Ich habe ein Auto? Als ich auf den Balkon trete fällt mir wieder ein, wo ich den Wagen abgestellt habe. Direkt hier, vor meinem Wohnzimmerfenster - im dritten Stock. Abgefahrener Traum, denk ich noch.

Nun, weil der Balkon nicht groß genug war, hängt der Wagen vorne über der Brüstung. Kurz bin ich beeindruckt über meine Parkkünste und frage mich, wie ich dieses Auto hier hoch bekommen habe. Dann setze ich mich hinter's Steuer und schließe die Tür. Es wackelt. Unter mir ist direkt die Straße, es herrscht reger Verkehr. Ich starte den Motor. Langsam kippt der Wagen nach vorne. Oh nein, ich werde fallen. Dann wäre das Auto kaputt und ich müsste aussteigen. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich ja vollkommen nackt bin. Lediglich mein Haar steckt in einem zu winzigen Handtuch für meinen Körper. Egal! Ich gebe leicht Gas und beginne zu fallen. 

Langsam, langsamer als ich es erwartet habe, geht es abwärts. Aber ich falle nicht wirklich, ich fliege eher. Daher kann ich auch ein wenig lenken, ich drehe nach rechts und folge der Straße, immer noch im Sinkflug. Okay, denke ich, so richtig auf die Straße fallen werde ich wohl nicht. Aber verdammt nochmal...wie komm ich hier wieder runter. Ich will anhalten, doch jetzt funktioniert das Lenkrad nicht mehr richtig. Ich fahre/fliege auf eine S-Bahnbrücke zu. Wenn ich doch nur gegen den Pfosten fliegen könnte, dann könnte ich endlich aussteigen.

Mit einem Wums schaffe ich doch noch die Kollision und krache mit meinem kaputten Auto auf dem Boden. Ein älteres Pärchen will mir zur Hilfe eilen. Schnell nehme ich mein winziges Handtuch vom Kopf, steige aus und versuche zu bedecken, was zu bedecken geht. 

*Dingelingeling* *Dingeling*

Mein Wecker. Ich wache auf und bin verwirrt. Ich bin ein fliegendes Auto gefahren und habe einen Unfall verursacht, freiwillig. Und wenn das selbst verursachen symbolisch für Versagensängste steht und fliegen, bzw. abstürzen heißt, dass man mit einem Plan scheitern wird - heißt das dann, ich habe so große Angst, dass meine Pläne scheitern, dass ich schon jetzt lieber freiwillig gegen den Baum fahre, bevor ich später scheitere? Stehe ich mir selber im Weg? Oder habe ich nur Angst davor? Es ist noch zu früh am Morgen, um den Gedanken zu Ende zu denken. Ich drücke auf die Schlummertaste und drehe mich noch einmal um. Wenigstens habe ich nicht wieder geträumt, ich hätte derbe behaarte Beine und nur eine kurze Hose an. Diese Träume sind wirklich übel.

Kommentare:

  1. Du kannst richtig gut schreiben! (:

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    http://storieswriter16.blogspot.de/

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